Trachealkanülen
Die Überlegung, welche Trachealkanüle für den einzelnen Patienten zur Zeit am Besten geeignet ist, sollte sowohl die funktionellen Anforderungen aufgrund der körperlichen Befindlichkeit als auch die äußeren Umstände des Einsatzes mit einbeziehen: Die Stabilität des Tracheostomas, die Empfindlichkeit der Luftröhre und auch die Stärke der Schleimbildung wird bei der Entscheidung zwischen einer Kunststoff- oder einer Silberkanüle berücksichtigt. Im Falle einer Strahlenbehandlung (Radiatio) dürfen ausschließlich metallfreie Hilfsmittel eingesetzt werden. Dies erstreckt sich von der Trachealkanüle über Tragebänder bis zur nicht aluminiumbedampften Kompresse. Auch beim Autofahren ist wegen der möglichen Verletzungsgefahr bei einem Unfall eine Trachealkanüle aus Weichkunststoff empfehlenswert.
So unterschiedlich die Eigenschaften der Trachealkanülen auch sind, ist es grundsätzlich sinnvoll und ein Aspekt der Sicherheit, mindestens zwei Kanülen zur Verfügung zu haben, von denen immer eine zum Wechsel vorbereitet ist. Druck- und Scheuerstellen in der Luftröhre lassen sich häufig vermeiden, wenn die Kanülen unterschiedlich lang sind.
Der behandelnde Arzt berücksichtigt bei der Entscheidung über Ausführung, Größe und Material der Trachealkanüle die individuellen Bedürfnisse des Patienten und auch die medizinischen Anforderungen.
Im Anschluss finden Sie nun zu den einzelnen Kanülen detaillierte Beschreibungen mit einer Tabelle, der Sie alle Abmessungen entnehmen können. Für die Schnellübersicht über die Haupteinsatzbereiche einer Trachealkanüle haben wir ein grafisches Leitsystem entwickelt. Die Erläuterungen hierzu finden Sie im Glossar. Ebenso praktisch ist die Maßtabelle aller aufgeführten Kanülen unter "Downloads", die einen sofortigen Vergleich mit anderen Modellen ermöglicht.
Unsere Produktpalette umfasst nahezu alle derzeit lieferbaren Trachealkanülen. Bitte wenden Sie sich an uns, wenn Sie über die gängigen, in diesem Katalog aufgeführten Trachealkanülen hinaus Fragen zu anderen Modellen oder Sonderanfertigungen haben. Wir helfen Ihnen gerne und mit der Kompetenz jahrelanger Erfahrung weiter!
Ein Hinweis aus der Praxis:
Trachealkanülen können durch unsachgemäße Reinigung Schaden nehmen und sollten daher täglich auf ihren einwandfreien Zustand überprüft werden.
Um die Langlebigkeit von Silberkanülen zu erhalten sowie eine Verletzungsgefahr durch Beschädigungen zu vermeiden, sollten diese alle 6 Monate in die tmv Fachwerkstatt zur Überprüfung und Aufarbeitung eingeschickt werden.
Über die maximale Verwendungsdauer von Kunststoffkanülen geben Ihnen die jeweiligen Herstellerangaben Auskunft.
Material und Funktionen
Der medizinische Eingriff des Luftröhrenschnittes (Tracheotomie) erfolgt zur Sicherung der Atmung.
Die Indikation, eine operativ angelegte Luftröhrenöffnung, das Tracheostoma, anzulegen, ist sehr unterschiedlich.
Sie reicht von einer länger andauernden Intubation über Fehlbildung, Erkrankung oder Verletzung der oberen Atemwege bis hin zur dauerhaften Verlegung des Atemweges bei einer Kehlkopfentfernung (Laryngektomie).
Die unterschiedlichen Arten von Trachealkanülen tragen in Material, Bauart und Funktion den zahlreichen Anforderungen der einzelnen Krankheitsbilder Rechnung. Allen gemeinsam ist die Sicherung der Atemfunktion durch Stabilisierung und Offenhalten des Tracheostomas. Darüber hinaus gibt es Funktionsgruppen zur schonenden und längerfristigen Beatmung sowie zum Schutz vor dem „Verschlucken“ (Aspiration).
Das Material
Hat die Trachealkanüle hauptsächlich die Funktion eines Platzhalters, tritt bei der Auswahl des richtigen Modells die Frage des Materials in den Vordergrund.
Metall:
Hier kommen Trachealkanülen aus hochwertigem Sterlingsilber zum Einsatz, die aufgrund ihrer hohen Materialfestigkeit eine sehr dünne Wandung bei gleichzeitig hohem Luftdurchlass aufweisen. Das Material erweist sich als ausgesprochen langlebig, kann wieder aufgearbeitet und repariert werden. Für den klinischen Einsatz spricht die bakterizide Wirkung des Silbers sowie die problemlose Möglichkeit der Sterilisierung. Eine weitere Eigenschaft ist die geringere Sekretanhaftung, die eine Silbertrachealkanüle besonders in der ersten Zeit nach Anlage des Tracheostomas empfehlenswert macht.
Kunststoff:
Alle Trachealkanülen dieser Gruppe zeichnen sich durch ein angenehm geringes Gewicht aus. Hartkunststoff hat ebenso wie Silber eine hohe Formstabilität und einen größeren Innendurchmesser. Dieser Vorteil kommt vor allem bei kleinen Größen zum Tragen, um einen ausreichenden Atemfluss zu gewährleisten.
Trachealkanülen aus Weichkunststoff haben im Vergleich das geringste Reizungspotential und den höchsten Tragekomfort. Thermosensible Trachealkanülen wie die Mediplast sind deutlich flexibler und passen sich aufgrund der temperaturempfindlichen Eigenschaften der individuellen Anatomie der Luftröhre besser an. Dies führt zu einem deutlich reduzierten Risiko von Druck- und Scheuerstellen in der empfindlichen Luftröhre. Viele Patienten, die dauerhaft eine Kanüle tragen müssen, geben ihr deshalb den Vorzug. Die Mediplast-Kanüle ist mit einem Sortiment von Innenkanülen kombinierbar, die unterschiedliche Anforderungen abdecken und auch in der ersten Zeit nach der Operation bei der verstärkten Sekretbildung häufig die Kanüle der Wahl.
Trachealkanülen aus Silikon gehören ebenfalls zum Bereich der Weichkunststoffe. Sie bieten dem Patienten einen hohen Tragekomfort, haben jedoch grundsätzlich keine Innenkanüle. So empfiehlt sich der Einsatz bei Patienten mit geringem bis mittleren Verschleimungsgrad.
Die Funktionen
Stimmbildung:
Erfüllt eine Trachealkanüle die baulichen Voraussetzungen für die Phonation, ist sie jeweils mit dem Begriff „Stimmoption“ gekennzeichnet, denn sie verfügt über eine entsprechende Öffnung im Bogen als Luftdurchlass. Genutzt werden kann sie von allen Patienten, die organisch in der Lage sind, über den Kehlkopf (Tracheotomie) oder ein Shunt-Ventil (Stimmpothese bei Laryngektomie) Stimme zu bilden.
Blockung:
Der aufblasbare Ballon (Cuff) am unteren Ende einer Trachealkanüle dichtet die Luftröhre rundherum ab. Die Blockung verhindert sowohl während der Beatmung ein Entweichen der Luft über die oberen Atemwege als auch das Eindringen von Flüssigkeiten o.ä. in die unteren Atemwege (Aspiration).







